Rückblick 2009

 

Die Vereine "Medinetz Dresden", "Roter Stern Leipzig '99" und "Hillersche Villa - Soziokultur im Dreiländereck" wurden am 9. November 2009 für ihren Einsatz zur Stärkung von Demokratie und Menschenrechten sowie der Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Rassismus und (Rechts-)Extremismus mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie 2009 geehrt.

"Der Förderpreis für Demokratie bestärkt all jene, die sich für den Ausbau der demokratischen Kultur, für eine Kultur des Mitmachens und des friedlichen Miteinanders im Freistaat Sachsen einsetzen. Freiheit und Demokratie sind die errungenen Werte von 1989 und müssen täglich neu erarbeitet und verteidigt werden. Ich freue mich sehr, dass es in Sachsen ein so starkes zivilgesellschaftliches Engagement für unsere Demokratie gibt", erklärte der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich während der Preisverleihung. "Mit den Demokratiepreisen wollen wir nicht nur dieses bedeutende Engagement würdigen und den engagierten Preisträgern unsere Anerkennung zollen. Die Demokratiepreise sollen auch Ansporn sein, damit sich künftig noch mehr Menschen für Demokratie, Freiheit und Toleranz in Sachsen einsetzen", so Tillich weiter.

Anschließend überreichte er dem Oberlausitzer Verein "Hillersche Villa" den von ihm gestifteten Sonderpreis. Mit großem Einsatz unterbreitet das Kulturzentrum im Dreiländereck Tschechien-Sachsen-Polen attraktive und ideenreiche Angebote wie Musik-, Kunst- und Theaterkurse und fördert die Begegnung zusätzlich mit einem kleinen Cafe und einem Kino. Über 40.000 Besucher erreicht es damit jährlich. Die Förderpreise an die beiden weiteren Preisträger überreichten Vertreter der Amadeu Antonio Stiftung, der Freudenberg Stiftung, der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank und der Stiftung Frauenkirche Dresden. Die Wahl des Vereins "Medinetz Dresden", bei dem sich Medizinstudenten in Kooperation mit Ärzten, Psychotherapeuten, Hebammen und Dolmetschern um ärztliche Versorgung von irregulären Migranten bemühen, begründete der Pfarrer der Dresdner Frauenkirche Sebastian Feydt: "Angemessene medizinische Betreuung ist ein Menschenrecht – nicht nur für Personen mit Pass und Meldestatus. Der selbstlose Einsatz der Aktiven des Medinetzes zur Linderung der teils verheerenden Notlagen von Flüchtlingen und Einwanderern ohne Papiere ist bewunderns- und unterstützenswert."

Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, erklärte zur Vergabe des Förderpreises an den "Roten Stern Leipzig e.V.": "Dieser Fußballverein will sich mit rassistischer, antisemitischer und homophober Gewalt im Stadion nicht abfinden und hat daher ein wirksames Gegenprogramm gestartet: Diskriminierungen jeglicher Art werden im Spielbetrieb nicht geduldet und über die sportliche Ebene hinaus organisiert der Verein Kulturprojekte gegen Diskriminierung und Ausgrenzung. Für dieses einzigartige Projekt verdient der Rote Stern den Sächsischen Förderpreis für Demokratie." Sie betonte aber auch, dass der Verein die Auszeichnung allein für sein mutiges Engagement erhält und nicht als Reaktion auf den gewaltsamen Neonazi-Übergriff während eines Auswärtsspiels Ende Oktober. Der Verein lebt beispielgebend die Möglichkeit eines demokratischen und diskriminationsfreien Miteinanders vor.

Die Preisverleihung fand im Beisein von über 200 geladenen Gästen statt. Unter den Gästen waren neben den Vertretern der zehn für die Vergabe nominierten Initiativen und Projekte auch Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orozs und die Sächsischen Staatsminister Markus Ulbig und Frank Kupfer. Die Preise sind mit jeweils 15.000 EUR dotiert. Der Sächsische Förderpreis für Demokratie wurde in diesem Jahr zum dritten Mal vergeben. Eine prominent besetzte Jury, in der neben den Vertretern der auslobenden Stiftungen auch der "Prinzen"-Sänger Sebastian Krumbiegel, die Schauspielerin Jennifer Ulrich ("Die Welle"), Professor Wilhelm Heitmeyer vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld, der Staatssekretär und Bevollmächtigte des Freistaates Sachsen beim Bund Erhard Weimann und Thomas Reiche, Fernsehchef im Landesfunkhaus Sachsen des MDR, mitwirken, wählte die Preisträger aus insgesamt 55 Bewerbungen aus.



Die Preisverleihung am frühen Abend des 9. November

Bereits zum dritten Mal wurde der Sächsische Förderpreis für Demokratie am geschichtsträchigen Datum des 9. November in der Unterkirche der Frauenkirche Dresden verliehen.




Der Workshop im Vorfeld der Preisverleihung

Die Vertreter der zehn nominierten Projekte wurden im Vorfeld der Preisverleihung zu einem Workshop zu den Themen kommunaler Handlungsmöglichkeiten und erfolgreicher Medien- und Öffentlichkeitsarbeit eingeladen, um sich mit Akteuren aus Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung, Schule und Medien auszutauschen und zu vernetzen.