Initiative "Bunter Schall als Widerhall"

Von Wolfgang Tiefensee*

Wie bereits im Vorjahr fand Anfang Juli am Quitzendorfer Stausee unweit von Görlitz erneut das Pressefest der NPD-Parteizeitung „Deutsche Stimme“ statt. Bei Neonazis beliebte Bands wie „Oidoxie“, „Nordglanz“ oder „Die Lunikoff-Verschwörung“ traten bei diesem Fest ebenso auf, wie auch der braune Liedermacher und ehemalige NPD-Bundespräsidentschaftskandidat Frank Rennicke. Als Redner beteiligten sich zahlreiche NPD-Parteigrößen, angefangen vom Bundesvorsitzenden Udo Voigt, über den mecklenburg-vorpommerischen Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs bis hin zum sächsischen Fraktionsvorsitzenden Holger Apfel. Und auch für die Kinder wurde mit Hüpfburg, Torwand und anderen Spielen gesorgt. Am Ende versammelten sich nach Angaben der Veranstalter über 2.400 Menschen und das Fest wurde in rechtsextremen Kreisen als einschneidender Erfolg gefeiert. – Aber was soll man tun, wenn man in so einer Region lebt und nicht damit einverstanden ist, dass Rechtsextremisten unwidersprochen ihre Veranstaltungen organisieren und durchführen?

Man kann einfach wegsehen und schweigen. Oder man engagiert sich so, wie es Bürgerinnen und Bürger in der Umgebung von Quitzdorf am See tun. Dort hat sich vor besagtem Pressefest eine Initiative gegründet, die es nicht mehr einfach hinnehmen wollte, dass sich Neonazis über Jahre hinweg und weitgehend unbeachtet von Presse und Öffentlichkeit vor Ort festgesetzt haben. Einzelpersonen, Vereine, die Kirchgemeinde und weitere Organisationen aus der Region, insbesondere aus Görlitz, Bautzen, Zittau und Löbau, gründeten die Initiative „Bunter Schall als Widerhall“. In aller Eile wurden tausende Flyer erstellt und verteilt, um gegen die Veranstaltung zu protestieren sowie die ortsansässigen Bürgerinnen und Bürger zu informieren. Eine rasch organisierte Plakataktion mit hunderten im ganzen Landkreis Görlitz aufgehängten Plakaten sollte zudem für eine erfolgreiche Mobilisierung sorgen – mit gemischtem Ergebnis. Der erwünschte Beistand durch die örtlichen Verantwortungsträger blieb der Initiative mit Hinweis auf die befürchtete negative Medienberichterstattung verwehrt. Und auch eine breite und vor allem sichtbare Unterstützung durch die örtlichen Bürgerinnen und Bürger blieb aus. Zwar nahmen trotz starken Regens ungefähr 150 Personen an der Gegenkundgebung teil, doch eigentlich hatte sich die Initiative mehr erhofft. Aus persönlichen Gesprächen erfuhren die Engagierten, dass sich viele zu sehr fürchteten, auch wenn sie die Gegenaktionen eigentlich guthießen.

Es war alles andere als leicht, gegen die Großveranstaltung der Rechtsextremisten zu mobilisieren. Dennoch wollen die Aktiven der Initiative „Bunter Schall als Widerhall“ nicht aufgeben und auch weiterhin am Ball bleiben. In Zukunft wollen sie das begonnene Engagement verstetigen, die Aufklärungsarbeit weiter vorantreiben und ein noch breiteres Netzwerk aufbauen. Der erste Schritt ist getan und weitere werden folgen. Für den Ehrgeiz und insbesondere für den Mut, sich gegen eine so große Veranstaltung von Rechtsextremisten zu stellen, wurde die Initiative „Bunter Schall als Widerhall“ nun für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie nominiert.

*Jurymitglied Wolfgang Tiefensee, MdB, Bundesminister a.D., war von 1998 bis 2005 Oberbürgermeister der Stadt Leipzig und von 2005 bis 2009 Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer.
 

Die Preisträger 2011