Firma Klausels

Von Rupert von Plottnitz*

Die Traditionsfirma Klausels aus Löbau ist in der Branche der Fruchtveredelung tätig. Mit Mus kennt man sich hier aus, insbesondere mit Extremis-Mus. Klausels Extremis-Mus ist nach Auskunft des Geschäftsführers Karl Klausel seit vielen Generationen ein nach traditionellem Familienrezept produziertes und erfolgreich vertriebenes Stammprodukt. Im letzten Jahr kam jedoch von höchster Stelle ein Konkurrenzprodukt auf den Markt – die staatliche Extremismusklausel. Ein Schock für Karl Klausel und den ganzen Betrieb. Binnen eines Jahres wurde der sächsische Mus-Markt durch die staatliche Initiative überschwemmt und viele etablierte und geachtete Betriebe wurden in arge Existenznöte gebracht. Auch die Firma Klausels hat große Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Die Firma Klausels warf aber nicht die Flinte ins Korn, sondern beschloss, sich der Konkurrenz zu stellen. Seitdem macht das kleine Familienunternehmen mit unerschrockener Kritik und kreativen Vermarktungsstrategien auf sich aufmerksam.

Unter dem Slogan „Extremis-Mus – Sächsisch. Bitter. Geschmacklos“ hat der kleine Betrieb nun eine Kampagne gestartet um auf unterschiedlichste Weisen den staatlichen Repressionen zu begegnen. Mit Sprüchen wie „Das Mus mit dem faden Beigeschmack!“, „Ideal für Ihren Partner! – Nur gegen Unterschrift!“ oder „Jetzt noch wertvoller – nach altem Geheimdienstrezept!“ preist die Firma Klausels nun beispielsweise intensiv auf Werbeplakaten ihr Extremis-Mus an. Zudem wurde die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit erheblich verstärkt. Dabei beschreitet man auch ganz innovative Wege. Auf Facebook kann man sich beispielsweise mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Firma anfreunden und an Ihrem Aktivitäten teilhaben, so etwa mit dem Geschäftsführer Karl Klausel, der Sekretärin Miss Trauen oder Fritz General Verdacht aus dem Lager. Auch der Außenauftritt wurde professionalisiert, so war die Firma Klausel zuletzt zu Gast bei mehreren Messen sowie Fach- und Pressekonferenzen.

Die Kritikpunkte der Firma Klausels sind klar: Die Wiedereinführung der Planwirtschaft, die Aufblähung der staatlichen Verwaltung, die Entmündigung der Konsumentinnen und Konsumenten durch die angestrebte Monopolisierung des Marktes und die Gefährdung der Qualität der angebotenen Produkte wegen staatlicher Restriktionen sind nach Meinung Karl Klausels ein Skandal. „Die Mus-Kunden sind vom Geschmack der staatlichen Extremis-Mus-Klausel angewidert, deswegen die hier gestartete Kampagne, um ihnen zu zeigen, dass es noch andere Mus-Sorten in Sachsen gibt!“, so Karl Klausel.

Böse Zungen mögen behaupten, dass sich das von der Firma Klausels angebotene Extremis-Mus nicht von herkömmlichem Pflaumenmus unterscheide, doch dem ist nicht so. Klausels Extremis-Mus ist weit mehr als Pflaumenmus. Die Produktion ist außerordentlich mühselig und die Produzenten stehen unter ständigem Extremismusverdacht, nur weil sie Extremis-Mus herstellen. Nicht wenige Betriebe – auch echte Traditionsunternehmen – haben wegen der Extremismusvorwürfe beträchtliche Produktivitäts- und Absatzeinbrüche zu verzeichnen. Mit Hilfe der Kampagne „Extremis-Mus – Sächsisch. Bitter. Geschmacklos“ hofft der kleine Betrieb aber wieder in die Gewinnzone zu kommen. Einen Teil der Einnahmen aus dem Verkauf des Extremis-Mus will der kleine Betrieb sogar nach Angaben des Geschäftsführers Karl Klausel anderen Geschädigten der staatlichen Extremismus-Initiative zur Verfügung stellen.

Für so viel Unerschrockenheit und unermüdlichen Einsatz haben Karl Klausel und der gesamte Betrieb einige Anerkennung verdient. Angesichts so schwieriger Umstände aber den Humor nicht zu verlieren und auf so innovative Weise die Extremismusklausel zu kritisieren, ist wahrlich bemerkenswert! In diesem Sinne hat sich die Firma Klausels die Nominierung für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie redlich verdient!

*Jurymitglied Rupert von Plottnitz ist Vorsitzender der Sebastian Cobler Stiftung.
 

Die Preisträger 2011