Augen auf e.V., Zittau/Löbau


Lange Zeit war der tschechisch-deutsche Grenzübergang Rumburk/Neugersdorf ein nicht sehr einladender Ort, der Menschen vor allem voneinander trennte, statt sie zusammenzuführen. Undenkbar, dass dieser Ort sich einmal zum Gegenteil wandeln würde. Doch so geschehen im September 2009. Das „Grenzgang Festival“ versammelte am besagten Ort knapp 2.300 Besucherinnen und Besucher von beiden Seiten der Grenze und sorgte für eine interkulturelle Begegnung der besonderen Art. Musikvorführungen und Sportaktivitäten sorgten dabei für körperliche und Ausstellungen und Workshops für geistige Bewegung. Organisiert wurde die Veranstaltung maßgeblich von dem Verein Augen auf e.V., der damit ein weiteres Mal seine besondere soziale und kulturelle Bedeutung, nicht nur für die Oberlausitz, sondern für das gesamte Dreiländereck aufzeigte. „Wir möchten den Menschen sinn- und anspruchsvolle Kultur- und Freizeitangebote bieten und sie mitreißen in der Bekämpfung von Vorurteilen“, erklärt Sven Kaseler von Augen auf e.V.

Beispielhaft veranschaulichte das Festival dabei sowohl die Kreativität und Vielfältigkeit, als auch die internationale Ausrichtung des Vereins, der seit der Gründung im Jahr 2000 mit ebendiesen Ansprüchen und der Tatkraft von fünf hauptamtlichen und etwa 45 ehrenamtlichen Mitgliedern unterschiedlichste Projekte auf die Beine stellte. Zu nennen wäre etwa die „Tonwoche“, eine alljährlich stattfindende Konzerttour internationaler Musikbands durch nichtkommerzielle Jugendclubs in Polen, Tschechien und Deutschland, durch die schon so manche grenzüberschreitende Freundschaft entstanden ist. Oder auch das Projekt „Fußball Grenzenlos“, ein antirassistisches Fußballturnier, an dem Teams aus der gesamten Euroregion teilnehmen und das seit 2003 mit großem Erfolg veranstaltet wird. Gerade im ländlichen Raum sind solche erlebnisorientierten Veranstaltungen sehr erfolgreich und wichtig. Weniger aufsehenerregend, jedoch nicht minder wichtig für die Förderung einer Kultur der gegenseitigen Achtung und Anerkennung sind aber auch die regelmäßig organisierten Diskussionsabende mit den örtlichen Jugendlichen zu politischen und kulturellen Themen und die Aufklärungs- und Bildungsseminare an Schulen, die sich an Schülerinnen und Schüler wie auch an die Lehrkräfte gleichermaßen richten. „Unser Ziel ist es, ein tolerantes und respektvolles Miteinander verschiedenster Kulturen hier im Dreiländereck zu schaffen, den Rassismus zu vertreiben und den Rechtsradikalismus zu verdrängen“, so Kaseler, „denn in der Vielfalt sehen wir eine Bereicherung und nicht Beliebigkeit oder gar Bedrohung.“ Wachsamkeit und Umsichtigkeit sind besondere Markenzeichen des Vereins Augen auf e.V. – es bleibt zu hoffen, dass seine wertvolle und bewährte Arbeit auch in Zukunft genügend Unterstützung finden wird.

Tyron Ricketts, Musiker und Schauspieler, Mitglied der Jury 2010