AKuBiZ e.V., Pirna


Pirna – das Tor zur Sächsischen Schweiz. Hier wurde im Herbst 2001 das Alternative Kultur- und Bildungszentrum, oder kurz: AKuBiZ, gegründet – ein Verein, der es sich zum Ziel gemacht hat, sich aktiv mit den Themen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus auseinanderzusetzen. „Etwa zwanzig junge Menschen wollten damals helfen eine demokratische Kulturarbeit zu leisten und so rechte Alltagskultur und den anhaltenden Naziterror zurückzudrängen“, so Steffen Richter, der Vorsitzende des Vereins. Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit stellt seitdem das zentrale Element der Vereinsaktivitäten dar, die auf vielfältige Weise umgesetzt wird – etwa durch Zeitzeugengespräche, Vorträge, den „Antirassistischen Fußball-Cup“ oder auch durch den überaus erfolgreichen Comic „Jetzt reicht’s in Sachsnitz“, der junge Menschen schon früh auf rechtsextreme Bedrohungen aufmerksam macht. Auch die Ausstellung über rechtsextreme Kultur, Ideologien und Strukturen, „Rechts rockt Sachsen“ erwies sich als außerordentlich wirksam, war sie doch in den vergangenen vier Jahren an über 30 Orten, zumeist Schulen und Jugendklubs, zu sehen, wo sie viele Menschen erreichte. „Uns ist es wichtig Inhalte zu transportieren und als Partner für Analysen oder Diskussionen wahrgenommen zu werden“, erklärt Richter. „Und die vielen Anfragen zeigen die Wichtigkeit dieser Ausstellung, die in ihrer Art einmalig in Sachsen ist.“

Doch was bedeutet es eigentlich in der Sächsischen Schweiz gegen Rechtsextremismus aktiv zu werden? Ein kurzer Rückblick in das Jahr 2001, als das AKuBiZ gegründet wurde, genügt, um beispielhaft die Problematik zu verdeutlichen: Damals wurde die neonazistische Kameradschaft „Skinheads Sächsische Schweiz“ (SSS) vom sächsischen Innenministerium verboten, nachdem Hausdurchsuchungen bei Mitgliedern der SSS neben Propagandamaterial auch Waffen, Munition und Sprengstoff zu Tage gefördert hatten. In der Verbotsbegründung hieß es unter anderem, dass die Kameradschaft Straftaten zur Umsetzung ihrer politischen Ziele ausgeführt und Informationen über politisch Andersdenkende gesammelt und zu deren Verfolgung aufgerufen habe.

Auch das AKuBiZ und seine ehrenamtlich tätigen Vereinsmitglieder haben in den knapp zehn Jahren des Bestehens schon häufig Erfahrungen mit Übergriffen machen müssen, so wurde etwa in diesem Frühjahr das Auto des ehemaligen Vereinsvorsitzenden abgebrannt. Für Menschen, die sich aktiv für Demokratie und Gleichwertigkeit einsetzen, ist die Sächsische Schweiz nach wie vor eine gefährliche Region. Und doch stellt Richter zusammenfassend fest: „Wir werden uns nicht einschüchtern lassen und weiter für humanistische Werte streiten. Für uns sind die Reaktionen der Neonazis ein Zeichen, dass wir mit der Arbeit genau in die richtige Richtung gehen.“ – Solche Menschen gilt es mit dem Sächsischen Förderpreis zu würdigen und zu unterstützen!

Dr. Pia Gerber, Geschäftsführerin der Freudenberg Stiftung