Die Jury

 

Robert Benjamin Biskop, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Elemente der Begeisterung

"Aus der täglichen Arbeit unserer Stiftung Elemente der Begeisterung weiß ich wie viel Lebendigkeit und Freude durch Austausch zwischen Menschen entstehen kann, die sich zuvor nicht kannten. Uns alle verbindet mehr, als uns trennt. Insbesondere freut mich, wenn sich Jugendliche für interkulturelle Verständigung engagieren. Mit junger Begeisterung können künstlerische Projekte kreativ und nachhaltig Brücken für ein gelingendes Miteinander bauen."

 

Pia Gerber, Geschäftsführerin der Freudenberg Stiftung

Eine offene Gesellschaft, in der alle ohne Angst verschieden sind, hat sich Adorno gewünscht. Dafür braucht es eine belastbare demokratische Kultur in Schule, Arbeitswelt und Gemeinde. Initiativen in Sachsen zu ermutigen, die sich für gelebte Demokratie und Vielfalt im Alltag einsetzen, ist Aufgabe des Sächsischen Förderpreises. Ausgezeichnet werden dabei herausragende Engagements aus der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft und der kommunalen Landschaft, die für die breite Bewegung zugunsten von Respekt, Solidarität und Weltoffenheit in Sachsen stehen.

 
Hauser, web

Uli Hauser, Initiator der stern-Kampagne "Mut gegen rechte Gewalt"

"Es erscheint heute wichtiger denn je, sich gegen Rechtsextremismus auszusprechen und für Initiativen sowie Projekte zu kämpfen, die sich für eine demokratische und weltoffene Gesellschaft engagieren. Menschenfeindlichkeit und Ausgrenzung dürfen keinen Raum mehr bekommen in unseren Gemeinwesen."

 

Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung

„Rechtsextreme Gewalt und Rassismus gehören in vielen Regionen zum Alltag. Viele Vorfälle finden sich als Randnotiz in der Zeitung wieder, von den meisten aber bekommt die Öffentlichkeit nichts mit. Umso wichtiger ist es, dass es Menschen gibt, die sich vor Ort gegen die Neonazis einsetzen, gegen Gewalt, Einschüchterung und Diskriminierung. Mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie möchten wir ein Zeichen der Anerkennung setzen und das Engagement derjenigen Menschen würdigen, die sich tagtäglich für eine demokratische Zivilgesellschaft einsetzen.“

 

Arno Köster, Autor, Moderator und PR-Berater

"Ich habe in meiner Familie hautnah erlebt, wie traumatisierend die Zeit des Dritten Reiches für viele war. Meine Oma verlor durch den Krieg zwei Söhne, ihr Mann wurde von den Nazis umgebracht, weil er ihre perversen Ideologien nicht teilen wollte. Mein Vater war als 14jähriger Flakhelfer und musste miterleben, wie neben ihm Freunde gefallen sind. Eine gestohlene Jugend, die ihn ein ganzes Leben lang verfolgt hat. Erst spät konnte er darüber reden, so groß war das Trauma. Seine Erzählungen vom Drill in der Hitlerjugend und der Grausamkeit des Krieges haben mich keineswegs begeistert, sondern schockiert und geprägt. Schon als Teenager war mir klar, dass jeder aufstehen muss, wenn heute die neuen Nazis mordend durchs Land ziehen, oder Menschen intolerant gegenüber Andersdenkenden sind. Wehret den Anfängen, der Schoss ist fruchtbar noch ! Denn wenn die Generationen nicht mehr da sind, die das Dritte Reich entweder miterlebt oder - wie ich - durch schockierende Erzählungen erfahren haben, besteht die Gefahr, dass sich Geschichte doch wiederholt. Ich habe grossen Respekt vor der Arbeit zivilgesellschaftlicher Initiativen, die oft mit bescheidenen finanziellen Mitteln auskommen müssen oder von Neonazis bedroht und angegriffen werden. Sie sind wichtige Mahner und Widerständler in einem Land, in dem die meisten Menschen sich wegducken, oder die Probleme klein reden wollen."

 

Sebastian Krumbiegel, Sänger und Pianist ("Die Prinzen")

"Nicht erst die Ende letzten Jahres ans Licht gekommenen Morde der "Zwickauer Terrorzelle" sollten uns bestärken, dass der Kampf gegen Nazis wichtiger denn je ist, auch der öffentliche Umgang damit. Der Sächsische Förderpreis für Demokratie ist ein wichtiges Standbein dabei, denn er bestärkt und ermuntert die vielen engagierten Leute, die sich jeden Tag aufs neue dafür einsetzen, dass Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Fremdenfeindlichkeit in unserem Leben nichts zu suchen haben."

 
Andrew Mackenzie

Prof. Dr. Andrew Mackenzie, Director, Physics of Quantum Materials, Max Planck Institute for Chemical Physics of Solids

"In a region where the voices of hate are often heard loudly around the world, it is important that we recognise the courageous people who speak, and act, for tolerance. For me, it is a moral issue, and also a practical one. Germany rightly expects the Max Planck Society to perform world-leading work. I therefore want to be able to recruit the best people from anywhere in the world to work in my Institute, and if Saxony has a reputation for xenophobia and intolerance, they will not come. This Prize is one way for the reasonable majority to make their voice heard."

 

Dirk Oelbermann, Gründer und Vorsitzender der Dirk-Oelbermann-Stiftung

"Ab 1989 war ich als Abwickler/Liquidator für die damalige Treuhandanstalt mit Schwerpunkt in Sachsen, insbesondere für das Robotron-Kombinat und seine einzelnen Gesellschaften, tätig. Hierbei wurden, bedingt durch ökonomische und politische Notwendigkeiten (sogenannte Sachzwänge), viele – aus heutiger Sicht zu viele – soziale und gesellschaftliche Strukturen zerstört. Deren Wiederaufbau als soziales, demokratisches Gemeinwesen ist nicht abgeschlossen und bleibt, nicht nur in Sachsen, eine immerwährende Aufgabe. Dazu möchte ich mit der Wohnanalage Kuchenstück und der Dirk Oelbermann Stiftung einen kleinen Beitrag leisten."

 

Rupert von Plottnitz, Vorsitzender der Sebastian Cobler Stiftung

"Die haarsträubenden Vorgänge um den NSU zeigen, dass und warum der Verfassungsschutz gegenwärtig für alles andere als einen Förderpreis für Demokratie in Frage kommt. Umso wichtiger sind der Mut und das Engagement, mit dem sich so viele zivilgesellschaftliche Initiativen gegen den braunen Ungeist zur Wehr setzen, der auch und gerade von Sachsen aus versucht, die Demokratie und ihre Werte unsicher zu machen."

 
Rothe web

Ingrid Rothe, Öffentlichkeitsarbeit Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe, Dresden

"Die offene und anregende Zusammenarbeit von Wissenschaftlern aus mehr als zwanzig Ländern zeigt, was in einem Umfeld möglich ist, in dem ausgrenzende Klischees, ideologische Feindbilder und Extremismus keinen Platz haben. In den Städten und Gemeinden braucht man sehr viel Mut und Ausdauer, um starren Verwaltungsregeln und fremdenfeindlichen Tendenzen Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft entgegenzusetzen. Initiativen wie die hier ausgezeichneten sind unverzichtbar für eine lebendige Gesellschaft. Mit großem persönlichen Engagement mühen sie sich tagtäglich für ein friedliches und bereicherndes Zusammenleben aller Bevölkerungsgruppen."

 

Eva Sturm, Cellex Stiftung

"Am 3. April 1933 schrieb Victor Klemperer in sein Tagebuch: „Brutalität, Ungerechtigkeit, Heuchelei, Massensuggestion bis zur Besoffenheit, alles das floriert hier.“ Mit hier meinte er Dresden. Mit Weitsicht hatte der Romanist die ersten Anzeichen der gesellschaftlichen Verrohung erkannt und angeprangert. Wie es ihm, dem klugen Beobachter des Nationalsozialismus, erging, ist bekannt. Knapp entkam er 1945 der Deportation. Nur 54 Jahre nach Klemperers Tod breitete sich in Dresden und Sachsen wieder ein Klima der Ausgrenzung, der Fremdenfeindlichkeit und der Gewaltbereitschaft aus. Jeden Montag wurden Parolen geschrien, Zwietracht gesät, Menschen verunsichert und die Wut auf Politik und Medien geschürt. Dennoch gibt es gerade in Sachsen ein starkes zivilgesellschaftliches Gegengewicht zu Populismus und Fremdenhass. Menschen zeigen Gesicht, sie engagieren sich für Weltoffenheit und Menschenwürde, sie tanzen und musizieren gemeinsam, sie helfen Menschen, die in Deutschland ankommen, mit Kleidung, Möbeln und Hausrat, begleiten sie auf Ämter, suchen Wohnungen und übernehmen Vormundschaften. Dass diese Menschen mit einem Preis geehrt werden, unterstütze ich persönlich und im Namen der Cellex Stiftung. Der Sächsische Förderpreis für Demokratie zeigt vor allem eins: dass es neben „Brutalität, Ungerechtigkeit, Heuchelei und Massensuggestion“ noch etwas anderes gibt – Menschlichkeit und Courage."

 

Bastian Wierzioch, Redakteur und Reporter bei MDR Figaro

„Demokratie-Initiativen spielen Schlüsselrollen in den Kommunen. Sie sind Andockstationen für aktive Bürgerinnen und Bürger, die über das „Vehikel“ Initiative ihr Lebensumfeld selbstbewusst mitgestalten. Und niemand - auch nicht die Polizei - kann ein Gemeinwesen besser vor Rechtsextremisten und Menschenverachtern schützen als aktive, selbstbewusste Bürgerinnen und Bürger. Als Reporter erlebe ich allerdings häufig Landes- und Kommunalpolitiker, die noch immer, die Zivilcouragierten vor Ort zu wenig auf dem eigenen Radar haben oder die Aktiven sogar ignorieren, diffamieren, boykottieren. Oft sehen sich die Akteure auch dem weltfremden Vorwurf der Nestbeschmutzung ausgesetzt. Dabei ist klar: Erst gelebten Rechtsextremismus vor Ort zu ignorieren und demokratische Akteure zu behindern, beschmutzt das Nest, und zwar nachhaltig. Auszeichnungen wie der Sächsische Demokratiepreis sollen den zivilcouragierten Bürgerinnen und Bürgern konkret vor Ort Rückenwind geben für ihr Engagement gegen Rechtsextremismus und für ein friedvolles Miteinander.“

 

Prof. Dr. Andreas Zick, Professor für Sozialisation und Konfliktforschung und Mitglied des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung

 

"Wer ist dort, wo der rechtsextreme Terror den Alltag von allen Menschen behindert und zerstört und Menschenleben gefährdet? Wie sähe Sachsen heute aus ohne die vielen zivilgesellschaftlichen Projekte, die sich still und laut mit jenen auseinandersetzen, die die Substanz unserer Demokratie gefährden? Unsere Studien zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in den letzten Jahren haben uns deutlich gemacht, dass sich gerade da, wo die Zivilgesellschaft sich zurückzieht und auf staatliche Kontrolle setzt, die Menschenfeindlichkeit einnistet. Wir brauchen mehr Projekte, statt weniger. Der Förderpreis steht auch dafür."